Study “Robotaxis in China: Erfahrung zuerst, Gesetze später”


Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

zusammen mit Lia Musitz

Regulierungsansätze und Stand der kommerziellen Flottenbetriebe

In China werden Robotaxis nicht als isolierte Technologie, sondern als Bestandteil eines langfristig geplanten Verkehrssystems betrachtet. Als Teil des bis 2035 angestrebten „nationalen dreidimensionalen Verkehrsnetzes“ sollen sie durch digital vernetzte Mobilität zu einem ökologisch effizienten, umfassenden und schnellen Verkehrssystem beitragen. Der Ausbau intelligenter Straßeninfrastruktur begleitet ihre Einführung und schafft aus Chinas Sicht die Voraussetzungen für einen sicheren und skalierbaren Betrieb. Unterschiedlich ausgestaltete lokale Regelungen von Straßentests und Demonstrationsanwendungen dienen in China nicht nur der technischen und kommerziellen Erprobung, sondern auch der Gewinnung regulatorischer Erkenntnisse. Diese fließen wiederum in die schrittweise Entwicklung nationaler Gesetze ein. Peking ist Vorreiter beim begleitenden Infrastrukturaufbau für die Fahrzeug-Straße-CloudIntegration und den Einsatz von Robotaxis als ÖPNV-Zubringer. Mit internationalen Regeln und Technologien kompatiblen Fahrzeugen begünstigt Shenzhen den Export. Wuhan nützt die Skalierung von Robotaxis strategisch für die Transformation seiner lokalen Automobilindustrie. Shanghai wiederum setzt auf Governance-Modelle für eine sozial verträgliche Verkehrstransformation. Damit entwickelt China national komplementäre Lösungsansätze für unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Anforderungen der Robotaxi-Entwicklung. Obwohl Nachzügler, konnte China die USA in den vergangenen fünf Jahren bei Skalierung existierender Betriebe überholen.Apollo Go ist der größte und erfahrenste Anbieter, Pony.AI positioniert sich als Systemanbieter, WeRide setzt am stärksten den Fokus auf globale Märkte. Der Robotaxi-Markt ist aus der technischen Erprobungsphase aus- und in den Wettbewerb um Rentabilität und globale Marktanteile eingetreten. In einigen Städten in China entwickeln sich Robotaxis bereits zu einem gängigen AlltagsVerkehrsmittel. In der 14 Millionen Einwohner zählenden Stadt Wuhan ist bereits ein Drittel des Stadtgebiets durch Robotaxi-Services abgedeckt. Ein zukünftiges explosives Wachstum des chinesischen Robotaxi-Marktes ist zu erwarten. Treibende Faktoren sind sinkende Hardwarekosten, der durch die alternde Bevölkerung bedingten Fahrermangel und die starke politische Unterstützung. Die USA sind geopolitisch versperrt, in Europa werden Kollaborationen mit Autoherstellern (Stellantis) und Flottenbetreibern (Uber, Lyft) angestrebt. Ein eigenständiger europäischer Robotaxi-Stack scheint derzeit nicht in Sicht.