Event “China ist „on” – ein Blick auf die digitale Sphäre in China”


Berlin, Mittwoch, 24. Januar 2024, 19 Uhr.
Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin, Kopenhagener Str. 9
 
www.helle-panke.de
 

Der Alltag in China ist von den Konsum- und Kommunikationswelten geprägt, welche die dortigen Digitalkonzerne in kurzer Zeit geschaffen haben. Der Staat hat diese Entwicklung geplant, gefördert und geleitet, und er greift auch entschieden und repressiv ein. Denn die digitale Sphäre spielt eine Schlüsselrolle für das langfristige Ziel Pekings, zu einer technologischen Führungsmacht mit mittlerem Wohlstand für alle zu werden. Innovative Tech-Unternehmen, planwirtschaftliche Entwicklungspolitik, verknüpft mit einer experimentierenden Herangehensweise auf allen Ebenen – so funktioniert das chinesische Steuerungsmodell im Digitalen.
Angesichts dessen, dass Big Data ein entscheidender Treibstoff für die zukünftige technologische Entwicklung ist, geht es bei dieser Initiative letztendlich auch darum, die Daten von Milliarden von Nutzern als wertvolles, jedoch gleichzeitig öffentliches und unverzichtbares Gut für technologische und soziale Entwicklung zugänglich zu machen. Das Chinesische Amt für Cyberspace (CAC) hat daher erhebliche Maßnahmen gegen Unternehmen ergriffen, die versuchen, Big Data zu isolieren und zu monopolisieren.
Die umfassenden staatlichen Maßnahmen sind u.a. vor dem Hintergrund der strategischen Entwicklungsziele Chinas zu verstehen, und es ist ein Ziel der Regierung, den technologischen Fortschritt nicht unter dem monopolistischen Gewicht der aktuellen Tech-Giganten zu ersticken. Westliche Medien konzentrieren sich auf bekannte Beispiele wie Alibaba, BYD und Tencent. Dabei übersehen sie, dass in den letzten Jahren allein Zehntausende von Start-ups gegründet wurden, die in allen Arten zukunftsweisender Sektoren arbeiten – teilweise mit staatlichen Unternehmen und teilweise mit den großen Technologiefirmen – und deren Entwicklungs- und Expansionsmöglichkeiten durch staatliche Eingriffe gestärkt wurden.
Als Xi Jinping in einer Rede im Jahr 2015 ankündigte, dass China bis 2030 eine führende Rolle in der globalen Innovation einnehmen werde, hat das kaum jemand geglaubt. Heute erscheint Xis Behauptung mehr als realistisch.

Timo Daum schildert den Aufstieg der chinesischen Digitalwirtschaft, analysiert ihre Bedeutung für das Alltagsleben der chinesischen Bevölkerung und stellt sie in den Kontext Chinas langfristiger Entwicklungsstrategie. Diesen Veranstaltungsabend moderiert Adriana Yee Meyberg, Projektmanagerin für Ost- und Südostasien der der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Asienreferats der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der “Helle Panke e. V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin.

Kosten: 2,00 Euro

Timo Daum, Hochschullehrer und Sachbuchautor, Wien / Berlin

Timo Daum, Big Data China. Technologie – Politik – Regulierung, Wien: Mandelbaum 2023

Grafik: Susann Massutte