ARTICLE: “We’ve mapped the world. Now let’s map human health.”


Daten-Technologien in der Corona-Epidemie. Zwischen Plattformkapitalismus und öffentlicher Gesundheitsvorsorge.

wzb.eu/de/forschung/corona-und-die-folgen

Wir leben im Zeitalter von Big Data – in allen Lebensbereichen und Branchen ist die Auswertung und Verwertung persönlicher, automatisch anfallender Daten zum integralen Bestandteil von Geschäftsmodellen und Dienstleistungen geworden.

Auch in der Corona-Krise zeigt sich dies eindrucksvoll, sowohl für der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen sind datenverarbeitende Techniken zentral, als auch – und das ist neu – ebenso für die Überwachung und Eindämmung der Pandemie selbst.

Contact tracing, location tracking, heat maps, sind Stichworte, die aus der Auswertung von Big Data im Kontext sozialer Medien bekannt sind, und die plötzlich im Rampenlicht stehen, als technologische Lösung, Alternative zu Ausgangssperren gehandelt werden.

Während die Politik noch über freiwillige, datenschutzkonforme Smartphone-Apps diskutiert, scheint ihr erfolgreicher Einsatz in einigen asiatischen Ländern die These ihrer Effektivität zu untermauern.

Die Digitalkonzerne, die eh schon als Folge der Lockdowns global zu den Gewinnern gehören, sind auch hier diejenigen, die sowohl die Daten, als auch die Technologien bereits in großem Umfang zur Verfügung haben, und diese punktuell mit großer Geste der Öffentlichkeit anbieten. Sie versuchen schon seit längerem in den Gesundheitssektor vorzudringen, nachdem IBM bereits vor einigen Jahren eine Krankenhauskette erwarb, um an die Daten aus bildgebenden Verfahren heranzukommen, und mit diesen ihre KI-gestützten Diagnoseprodukte zu füttern.

Frage nach öffentlichen Plattformen als Alternative zu den privat bewirtschafteten stellt sich angesichts dieses Szenarios in aller Dringlichkeit. Aber auch ein neuerliche Debatte um Post-Privacy, also eine Infragestellung eines möglicherweise antiquierten, auf der Privatheit von Daten pochendem Diskurs steht an.