Review: “‘Industry Unbound.’ Privacy im digitalen Kapitalismus”


In: Soziopolis
soziopolis.de

Entgegen aller Beteuerungen dreht sich doch die gesamte Aktivität der Digitalkonzerne um das organisierte und systematische Unterlaufen von privacy (Datenschutz) – so die zentrale These von Ari Ezra Waldmans Buch Industry Unbound. Die Digitalkonzerne seien zu einer Überwachungsindustrie geworden, deren Alltagsgeschäft darin bestehe, ständig jene Prinzipien zu unterlaufen, zu deren Schutz und Bewahrung sie angeblich angetreten sind.

In seinem neuen Buch konzentriert sich der führende Experte für Recht, Technologie und Gesellschaft auf die „soziale Praxis des Datenschutzrechts“ in großen Tech-Unternehmen: Als „doing privacy“ beschreibt Waldman die Praxis der Umsetzung von Rechtsauffassungen in Computer-Code, der wiederum in Form von Apps, anderen Anwendungen und Online-Angeboten die digitale Welt beherrscht. Diese Art von „Daten(schutz)praxis“ stelle gleichzeitig die systemische Demontage seiner eigenen Grundlagen dar, so Waldman, Professor für Rechtswissenschaften und Informatik sowie Direktor des Center for Law, Information and Creativity (CLIC) an der Northwestern University in Boston.[2]