STUDY: “Das Auto im digitalen Kapitalismus. Dieselskandal, Elektroantrieb, autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität”


Rosa Luxemburg Stiftung

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Der Automobilindustrie steht der wahrscheinlich größte Umbruch ihrer Geschichte bevor. Der fossile Antrieb wird durch den elektrischen abgelöst und der Mensch am Steuer wird von Algorithmen verdrängt. Zudem bringen neue Generationen, die mit dem Internet und digitalen Services aufgewachsen sind, etablierte Nutzungsweisen und Geschäftsmodelle ins Wanken. Eine Transformation des Mobilitätssektors – wie vieler anderer Bereiche auch – zum digitalen Service zeichnet sich ab.

Der Dieselskandal läutete die vielleicht letzte Runde des Verbrennungsmotors ein. Er zeigte auf eindrückliche Weise, dass die Autobauer nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, Schadstoffgrenzwerte – insbesondere in Städten – mit der konventionellen Technik einzuhalten. Auch die Umsetzung der Klimaziele (CO2-Bilanz) ist absehbar nicht mit einem Festhalten am Verbrennungsmotor zu erreichen. China und andere Länder geben eine Roadmap vor, die auf ein Ende dieser Antriebstechnik um 2030 hindeutet. Und immer mehr Städte planen, Dieselfahrzeuge aus den Stadtzentren zu verbannen.

Westeuropa hat die meisten Anteil der Dieselfahrzeuge an allen Pkw-Neuzulassungen (2016)
Alte Stinker werden abgelöst. Kohlendioxid-Emissionen von VW-Golf-Modellen im laufenden Betrieb (in Milligramm pro Kilometer)
Weniger CO2-Ausstoß dank Stromantrieb Emissionen eines VW Golf im gesamten Lebenszyklus
Autonomiegrad und Nutzungsvarianten
Dieser Technologiewechsel erschüttert eine ganze Branche. Die elektrische Antriebstechnologie ist vergleichsweise einfach, daher treten neue Akteure auf den Plan und die Kernkompetenz der klassischen Automobilindustrie – Motoren und Getriebe zu bauen – verliert an Bedeutung. Ein Markteintritt ist niedrigschwellig möglich. Die Stromspeicherung in Batterien und die Entwicklung entsprechender Infrastrukturen werden demgegenüber zu Schlüsseltechnologien.

Das Elektroauto ist heute schon einsatzreif und in seiner Ökobilanz dem Verbrenner überlegen. Da der Anteil regenerativer Quellen an der Stromerzeugung voraussichtlich zunehmen wird, dürfte sich dieser Vorsprung noch vergrößern. Das Elektroauto ist – trotz seiner zahlreichen Vorteile für Gesundheit und Umwelt – jedoch keine Lösung für viele gravierende Probleme individueller Mobilität. Negative Folgen der automobilen Gesellschaft und deren autozentrierter Verkehrs- und Stadtplanung, wie zum Beispiel der hohe Flächenverbrauch und die niedrige Auslastung der Fahrzeuge, werden beim Systemwechsel vom fossilen zum elektrischen Antrieb kaum berührt.